MZ-Berichterstattung „Abgestürzt“ unausgewogen und ungenau

Veröffentlicht am 02.10.2017 in Lokal

Im Hinblick auf die MZ-Berichterstattung zum Zweitstimmenverlust der SPD in Halle vom 28. September 2017, S. 10 erklärt der SPD-Stadtverbandsvorsitzende Marcel Dörrer:

„Mit Verwunderung haben wir den Bericht der Mitteldeutschen Zeitung mit dem Titel ‚Abgestürzt‘ in der Ausgabe Halle vom 28. September 2017, S. 10, zur Kenntnis genommen.

Freilich begrüßen wir es, dass sich mediale Öffentlichkeit dem Zustand der SPD zuwendet. Auch dies dient einer substanziellen politischen Bildung, auf die eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft angewiesen ist und zu der gegenwärtig mehr denn je auch die Medien aufgerufen sind.

Vor der Sozialdemokratie, nicht nur in Halle, werden in den kommenden Monaten und Jahren wichtige Diskussionsprozesse liegen. Vieles wird innezuhalten, zu überdenken und ggf. neu zu beantworten sein. Diesem Umstand ist sich die Mehrzahl der Mitglieder bewusst. Bedauerlicherweise zeigt sich die Berichterstattung der Mitteldeutschen Zeitung jedoch insoweit als unausgewogen, wenn dort zwar verdiente Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten der halleschen SPD zu Wort kommen, dabei aber gerade jene Generation außen vor bleibt, die gegenwärtig in Partei und Politik Verantwortung trägt und in deren Hand maßgeblich die weitere Entwicklung der SPD liegen wird.

Schwer wiegt auch ein Mangel inhaltlicher Art: Die grafische Darstellung der im Stadtgebiet erzielten Zweitstimmenergebnisse nebst der Benennung des jeweiligen Stimmenverlusts leidet an groben Mängeln. Augenscheinlich handelt es sich zwar um den erzielten Zweitstimmenanteil bei der Bundestagswahl 2017. Offen bleibt jedoch, auf welcher Vergleichsgrundlage die Verluste berechnet wurden."

Dörrer weiter: "Dies lässt sich exemplarisch bereits an dem Wert für „Stadt Halle gesamt“ erkennen: Der Zweitstimmenanteil bei der Bundestagswahl 2017 beläuft sich dort auf „14,41“ Prozent. Der in dem Klammerzusatz angegebene Verlust soll sich auf „-10,99“ Prozent belaufen. Die Verschlechterung zur Bundestagswahl 2013 betrug jedoch lediglich minus 3,9 Prozent (vgl. https://www.statistik.sachsen-anhalt.de/wahlen/bt17/index.html). Mehr noch: Wann die SPD in Halle bei einer Bundestagswahl im Stadtgebiet einen genauen Zweitstimmenanteil von den der Verlustrechnung offenbar zugrunde gelegten 25,4 Prozent erreicht haben soll, ist unklar. Seit 1990 hat die SPD in Halle bei Bundestagswahlen sowohl bessere als auch schlechtere Ergebnisse erzielt.

Dabei ist es allgemein üblich und nachvollziehbar, eine Wahl mit ihrem unmittelbaren Vorwert zu vergleichen. Historische Vergleiche darüber hinaus – etwa mit zehn- oder zwanzigjährigem Abstand –, die dem Anspruch von Seriosität gerecht werden wollen, erfordern ihrerseits bereits breitere Ausführungen zur Auswahl der Vergleichsgrundlage und zu berücksichtigenden Sondereffekten. Alles andere liefert nur ein grobes Zerrbild der Tatsachen und gibt die Darstellung darüber hinaus der Beliebigkeit preis.

Unabhängig von der Berichterstattung in der MZ und anderen Medien ist der Stadtverband Halle gut aufgestellt. Wir profitieren von der Erfahrung der langjährigen Genossen und Genossinnen, können aber auch auf viele neue Ideen von jüngst eingetretenen Mitgliedern zurückgreifen. Wahlergebnisse zeigen nur einen Teil der politischen Realität. Unzufriedenheit und Politikverdrossenheit sind Alltag. Nur mit den Leuten reden zu wollen und immer wieder Versuche zu unternehmen, dies auf verschiedenen Wegen zu tun, wird in Zukunft nicht reichen. Die Sozialdemokratie bietet immer noch verlässliche Antworten auf die drängendsten Fragen unseres Zusammenlebens und gerade im Stadtverband Halle stellen sich alle Genossen und Genossinnen dieser Herausforderung."

 
 

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