20 Jahre Landespolitik – zum Abschied von Gerlinde Kuppe und Rüdiger Fikentscher aus dem Landtag

Veröffentlicht am 03.05.2011 in Landespolitik

„20 Jahre politisches Leben können ja nicht einfach so in die Ecke gestellt werden.“ – Dies ist die Herausforderung, die sich Gerlinde Kuppe und Rüdiger Fikentscher derzeit stellt. Der blick.punkt sprach mit beiden über ihren bevorstehenden Abschied aus der Landespolitik. Gespräch: Felix Peter, Markus Schlegelmilch. Artikel: Oliver Hartung

Wie geht es euch, wenn am 20. März die Wahl ist und dann für euch eine lange politische Zeit im Landtag vorbei geht? Gerlinde Kuppe: Ich habe mich ja vor fünf Jahren entschieden, dass dies meine letzte Legislaturperiode gewesen ist – ich war also darauf vorbereitet. Derzeit bin ich dabei, meine ganzen Akten in Magdeburg zu sortieren – 20 Jahre politisches Leben können ja nicht einfach in die Ecke gestellt werden. Ich will mich auch noch weiter damit befassen und auch mal gucken, was war und – vor allem – was wird bleiben. Das alles verbinde ich mit einem großen Gefühl der Dankbarkeit, dass ich seit 1990 mit ganz vielen Menschen zusammen politisch tätig sein und an maßgeblicher Stelle in Sachsen-Anhalt mitgestalten konnte. Rüdiger Fikentscher: Ich bin rundum glücklich, dass ich über 20 Jahre eine hochinteressante Tätigkeit ausüben konnte. Ich habe ja mir schon seit mehreren Jahren ein Ausstiegsprogramm verordnet. Mit der Aufgabe von Fraktions- und Landesvorsitz habe ich mich dann auf die Funktion des Vizepräsidenten des Landtags konzentriert. Später habe ich den Vorsitz des Bundesparteirates aufgegeben, war folglich nicht mehr Gast des Bundesvorstandes. Ich bin also Schritt für Schritt aus vielen Funktionen rausgegangen und habe aber gleichzeitig meine Arbeitskraft auf etwas anderes gelenkt. Stichworte sind hier die historische Kommission, Kulturforum, Kriegsgefangenengedenkstätte. Ich werde auch aus einigen Vereinen und Verbänden austreten, wo ich – vielleicht seit Jahren schon – nur noch eine ‚Karteileiche‘ bin. Ich nehme ganz wenig aus Magdeburg mit. Mein gesamter schriftlicher Nachlass von 1990 bis jetzt – also alles, was ich in den 20 Jahren gemacht habe – befindet sich zum größten Teil im Landeshauptarchiv als Sondersammlung. Mein Ehrgeiz besteht darin, dass ich den Abschluss so sauber und ordentlich wie möglich zum Ende bringe und dann im April, wenn der nächste Landtag zusammentritt mit der letzten Tasche unterm Arm mein Dienstzimmer verlassen kann. Ich glaube, dann habe ich alles so geregelt, dass ich mit dem Gefühl der Zufriedenheit nach Hause gehen kann. Ihr habt zwei berufliche Leben gemeistert: Das vor 1989/90 und danach das explizit ‚berufspolitische‘. Hat euch die berufliche Erfahrung geholfen und wie schätzt ihr jüngere Politikergenerationen ein, die nur und ausschließlich politisch beruflich tätig sind? Gerlinde Kuppe: Für mich kann ich sagen, dass ich zu dem Zeitpunkt, als ich in die Politik eingestiegen bin, natürlich schon über ein bestimmtes Maß an Lebenserfahrung und Berufserfahrung verfügt habe, was sicherlich hilfreich war. Im politischen Alltag war ich aber absolut Anfängerin. Das Interesse für Politik ist eigentlich seitdem ich klar denken kann gewachsen. Schon als junges Mädchen habe ich meinen Vater gelegentlich aus dem Bett geholt, wenn im Rundfunk – wir haben immer BBC London gehört – interessante Sendungen waren oder als sich Chruschtschow und Kennedy in Wien getroffen haben. Solche Erlebnisse, auch Bundestagsdebatten, haben mich schon als Kind und junge Frau geprägt. Ich habe, als 1989 der Aufbruch stattfand, sehr schnell zur SDP gefunden und war bereit, Funktionen zu übernehmen – im Stadtverband und dann als Abgeordnete in der letzten Volkskammer der DDR; dann der Übergang zum Landtag. Für mich war das letztlich eine Folge logischer Schritte. Ich habe aber in den ersten Jahren nach 1989/90 auch immer noch sehr an meinem Ursprungsberuf gehangen, mich sogar in der Zeit 1990/91 habilitiert und bis 1994 auch immer noch ein paar Stunden im Labor an der Uni-Nervenklinik gearbeitet. Aber als mich Reinhard Höppner Ende 1993/Anfang 1994 gefragt hat, ob ich prinzipiell für ein Kabinett zur Verfügung stünde, habe ich nach Beratung mit der Familie Ja gesagt. Da war die Entscheidung getroffen. Der Abschied vom Beruf, der dann nicht mehr vereinbar war mit dem hohen politischen Engagement, ist mir nicht leicht gefallen. Ich glaube schon, dass mir mein beruflicher Hintergrund geholfen hat: mit Menschen umzugehen, Menschen ganz unterschiedlicher Art und Weise und Herkunft erlebt zu haben; auch das naturwissenschaftliche Denken, das analytische Herangehen an Probleme und Lösungen zu suchen – also zu einem Ergebnis zu kommen. Ich wünsche den jungen Leuten, Politik heutzutage mit einem gewissen Erfahrungshintergrund zu gestalten. Der Erfahrungshintergrund kann dabei aus ganz unterschiedlichen Lebensecken kommen. Aber eine gewisse Reife der Persönlichkeit ist auf jeden Fall nicht schädlich. Rüdiger Fikentscher: Der Wechsel in die Politik war ja für uns alle die Folge der Revolution, deren Verlauf nicht so vorherzusehen war. Für mich war aber die Frage, was ich machen würde, beantwortet, bevor sie gestellt war. Natürlich würde ich mich in die Politik einmischen. Ich hatte 22 Jahre Tätigkeit an der Universitätsklinik hinter mir. Ich war immer politisch interessiert und habe in all diesen Jahren im Geiste immer schon die SPD gewählt; hatte mir schon in den 60er oder 70er-Jahren das Godesberger Programm beschafft. Ich habe auch später noch Willy Brandt aus Fernsehsendungen zitiert, die ich damals aufgenommen habe. Die politische Richtung und das, was man jetzt was machen muss, waren mir völlig klar. Und ich habe eine ideale Ausgangsposition gehabt: familiär und auch sonst war für mich alles frei. Ich wurde unterstützt, die Kinder waren nicht mehr unbedingt pflegebedürftig, die ältere Generation war gestorben. Ich konnte mich wirklich voll auf diese Aufgabe konzentrieren und denke, dass wir auf diese Aufgabe ideal vorbereitet gewesen sind. Alter und Menschenkenntnis, Umgang mit Leuten – das alles haben wir gelernt und eine wissenschaftlich ordentliche Ausbildung gehabt. Das merkt man übrigens heute in der Politik noch, ob jemand mal Gelegenheit gehabt hat, wissenschaftlich zu arbeiten und was Ordentliches zu Papier zu bringen. – Gerlinde Kuppe: Oder auch mit Fußnoten umzugehen. (beide lachen) Bestimmte Regeln beherrschten wir allerdings nicht: Umgang mit Verwaltung, mit Haushaltsplänen und dergleichen. Aber das konnte man lernen, soweit man es brauchte. Mir war anfangs klar, dass wir in dieser Zeit wichtig und notwendig sind, aber nur eine Art Platzhalter sein würden. Ich dachte, es müssten dann sehr bald Leute kommen, die das alles von der Pieke auf gelernt haben und die jung und frisch da hinein gehen. Ich habe mich in der Zeit geirrt. Ich dachte damals, das müsste in zehn Jahren erledigt sein. Das war allerdings in einer Zeit, als alle meinten, dass man die ganze Industrie und Wirtschaft in drei bis fünf Jahren umbauen könnte. Ich glaubte, dass man das ganze Sozialgefüge in zehn Jahren umbauen könnte – wir haben festgestellt, dass es nach 20 Jahren immer noch nicht erreicht ist. Deswegen war dann auch klar, dass Leute wie wir immer noch gebraucht wurden. Nur jemanden wie uns wird es nicht wieder geben. Ich glaube nicht, dass ein habilitierter Mediziner, der an der Universität ist und viele Möglichkeiten hat, in die Politik geht. Ein vergleichsweiser schlecht bezahlter Beruf, wo er sich – wenn er Pech hat – noch von allen Leuten beschimpfen lassen muss (beide lachen) und sich mit ganzen vielen Kleinigkeiten herumplagt, von einer Sitzung zur anderen geht. Das muss man wirklich schon gern machen. Familien und Umfeld würden das vermutlich kaum noch jemandem zubilligen – das war damals anders. Was ich früher gemacht habe, habe ich sehr gerne gemacht. Und was ich später gemacht habe, habe ich noch lieber gemacht. Wie beurteilt ihr, dass immer weniger Quereinsteiger in die Politik gehen, sodass schon frühzeitig Karrieren mit dem Parteieintritt beginnen, man sich dann durch die Funktionen der Partei durcharbeitet, bis man irgendwann Mandatsträger wird? Gerlinde Kuppe: Als Gefahr sehe ich das nicht. Das ist einfach die Realität, die natürlich mit dem Image des Politikerberufes zusammenhängt. Was nicht nur von ihnen selber verursacht wird, sie aber natürlich einen Teil dazu beitragen. Die Zugangsmöglichkeiten für ein Mandat stehen allen offen. Aber die Attraktivität, ein kommunales Mandat, ein Landtagsmandat, Bundestagsmandat oder gar eines für das europäische Parlament anzustreben, ist relativ gering. Voraussetzungen und Bedingungen sind relativ schwierig und durchaus auch anspruchsvoll. Diejenigen, die ein solches Mandat für sich anstreben, haben häufig noch relativ geringe Vorstellungen, was auf sie zukommt. Ich glaube, da geht’s ihnen ähnlich, wie es uns damals gegangen ist. Wir wussten es auch nicht so genau. Ich wünsche mir aber in Zukunft eine größere Breite von Menschen – sowohl was das Altersspektrum anbelangt, bis hin zu unterschiedlichen Berufsgruppen – die sich für die politische Arbeit interessieren und das Mühsal des politischen Alltags auf sich nehmen wollen. Die sich auch einmischen wollen und in der Gesellschaft was bewegen wollen. Das sollte nicht nur auf Juristen und Lehrerinnen und Lehrer beschränkt sein – so sind ja viele Westdeutsche Landtagsparlamente zusammengesetzt. Vielleicht haben wir hier im Osten durch die Tradition seit 1990 doch noch ein gewisses anderes Gefühl dafür entwickelt, mitmachen und wirklich mitgestalten zu wollen. Rüdiger Fikentscher: Ich würde dafür sorgen, dass es immer eine gute Mischung gibt. Sowohl altersmäßig, als auch Männer/Frauen, als auch berufsmäßig. Man kann in jedem Alter und aus jeder Berufsrichtung, mit jeder Lebensphase etwas einbringen, was die anderen so nicht haben. Leider können wir das nicht beeinflussen. Wir kennen ja die soziale Zusammensetzung des ersten deutschen Bundestages und die der ersten Länderparlamente in Deutschland und wissen, wie sich das verschoben hat im Laufe der Jahrzehnte. Am Anfang waren alle noch mit dabei – so ähnlich wie bei uns 1990 – und im Laufe der Zeit ist es immer mehr in Richtung Lehrer, Juristen und Verwaltungsleute gegangen, weil bestimmte Berufsgruppen schlichtweg nicht in der Lage sind, sowas zu machen. Wer sein Fleischerladen vier Jahre zumachen müsste, um in den Landtag zu gehen, der wird nach vier Jahren nicht wieder öffnen. Der wird, wenn er es denn gemacht hat, auf jeden Fall kämpfen, weiter drin zu bleiben. Damit ist natürlich auch eine Entschlussfreiheit verloren gegangen; dagegen kann man schlecht etwas tun. Was ich gut fände ist, wenn Parteien auf ihren Landeslisten von den Vorständen her ein paar mehr Freiheitsgrade hätten und diese sog. Seiteneinsteiger oder Leute, die man gern dafür gewinnen will, einfach darauf setzen. Aber bei unserem System von Parteitagswahlen funktioniert das erfahrungsgemäß nicht. Allerdings halte ich sowie nicht so sehr viel von Quereinsteigern, weil sich die in der Regel als Enttäuschung erweisen. So ganz unabhängig darf keiner sein, er muss schon seiner Partei verpflichtet sein. Auch muss er das Politikgeschäft erst lernen. Wir erleben dass ja jetzt wieder mit der Frau Wolff, der jetzigen Kultusministerin, die sicher eine sehr kluge Person ist, aber den Politikbetrieb und das Funktionieren von Politik noch nicht richtig gelernt hat. Also kurzum: Die einfachste Beeinflussung wäre, wenn man vor Ort im Ortsverein jemanden dazu einmal ermutigt und sagt „Das wär doch mal was für Dich.“ Landtagssitzungen, Fraktionssitzungen, Arbeit im Parlament – was war hier euer persönlicher Höhepunkt und was euer Tiefpunkt im Parlament? Gerlinde Kuppe: Für mich war einer der Höhepunkte die Erarbeitung und Verabschiedung der Landesverfassung Anfang der 90er Jahre. Und im letzten Jahr die grundlegenden Debatten im Landtag: 60 Jahre Grundgesetz, 20 Jahre Sachsen-Anhalt, 20 Jahre Friedliche Revolution. Diese Debatten, zu denen auch meist Rüdiger für unsere Fraktion gesprochen hat, fand ich auf einem sehr hohen Niveau. Die empfehle ich auch wirklich zum Nachlesen. Was mich in meinem politischen Fachgebiet sehr stark mitgenommen und bewegt hat, waren die Auseinandersetzungen in zwei Bereichen: Einmal war die Arbeitsmarktpolitik in den 90er Jahren ein riesen Thema – die riesigen Demonstrationen, die es dazu gegebenen hat. Ich erinnere mich an die Kupferhütte Mansfeld, als da tausende von Mitarbeitern entlassen wurden und die ABM-Maßnahmen überhaupt nicht ausreichten, um ein Netz zu spannen. Da sind Erwartungen, die mit der Einheit verbunden waren, für viele zwischen den Fingern zerronnen, weil ihre ganz persönliche Existenz und die ihrer Familien mit einem Mal gefährdet schienen. Das hat mich sehr beschäftigt und auch sehr aktiviert in dem Bereich großen Einsatz zu zeigen. Und das andere war die Sicherung der Kinderbetreuung. Hier bin ich auch froh, dass es uns politisch gelungen ist, die Kinderbetreuung in Sachsen-Anhalt auf einem hohen Niveau von Anfang an aufrecht zu erhalten und zu gestalten. Aber die Erwartung der Bevölkerung war häufig viel höher angesiedelt. Da hat es auch richtig dramatische Verleumdung gegeben, ich erinnere mich an einen Slogan, damals noch von der ötv Ende der 90er Jahre: „Der Kuppe sind die Kinder Schnuppe“. Das war für mich ein echter Tiefpunkt in der politischen Arbeit. Rüdiger Fikentscher: Ja, das traf ins Mark. Bei der Frage nach Höhe- und Tiefpunkten muss man unterscheiden, ob man das Allgemeine, also wie es dem Land ging, oder das Persönliche meint. Beim Land hofften wir anfangs, vieles gestalten zu können. Aber wir merkten, dass es nicht so ging. Ich weiß noch (zu Gerlinde Kuppe), Anfang der 90er Jahre waren ja auch hauptsächlich zwischen Reinhard Höppner und Dir diese ganzen Gespräche, wie man so eine Art Bürgerarbeit/allgemeine Beschäftigung organisieren kann – eigentlich ist ja genügend Geld da, man muss das nur ordentlich organisieren, dann kriegt man die Leute auch irgendwie in Beschäftigung. Aber das ging so nicht. Als persönliche Enttäuschung habe ich immer wieder empfunden, dass man Leute enttäuschen musste, die von einem etwas erwartet haben, was man nicht erfüllen konnte. Wenn also jemand in die Sprechstunde kam, in der Hoffnung, dass man ihn mit Arbeit versorgen kann oder dass man ihm mehr Rente besorgen kann – dass man irgendeine offensichtliche Ungerechtigkeit abstellen kann, weil man in einer mächtigen Funktion ist. Da musste man erst mal erklären, dass man so viel Macht gar nicht hat, sondern Teil eines Systems/einer Organisation ist, in der alles relativ gut geregelt ist. Hinzu kommt, dass auch die Zeit nicht ausreicht, alles so ordentlich zu besprechen, so viele Gespräche zu führen, so viele Überlegungen anzustellen, so viele Sachen zu lesen, damit das Ergebnis dann bestmöglich wird. Da ist man nicht so gut, wie man eigentlich meinte sein zu müssen. Enttäuscht war ich natürlich auch zweimal, weil ich miserable Wahlergebnisse bei der Wiederwahl zum Landesvorsitzenden eingefahren habe. Das waren mit die schwierigsten Zeiten überhaupt. Da gab es in der Partei und auch in der Fraktion einen unsichtbaren Riss durch alles. Die einen nannten sich ‚neue Mitte‘ und die anderen nannten sich ‚Mansfelder Forum‘. Von denen hat auch niemand kandidiert oder etwas vorgelegt und nun waberte etwas, was uns natürlich sehr viel Kraft gekostet hat und selbstverständlich auch Autoritätseinbuße, wenn man mit schlechten Wahlergebnissen rauskommt, ohne dass jemand gegengehalten hätte oder sich öffentlich zu irgendwas geäußert hätte. Das waren schwierige und auch unangenehme Zeiten. Ich hatte mir aber früh zwei Grundsätze angewöhnt: Mich treffen unberechtigte Vorwürfe nicht, sondern nur berechtigte Vorwürfe – wenn ich Fehler hätte vermeiden können bzw. der andere auch noch Recht hat. Der zweite Grundsatz ist, alles aus etwas größerer zeitlicher und räumlicher Entfernung zu betrachten. Da wirkt dann plötzlich manches, was ganz wichtig und ganz aktuell scheint, plötzlich relativ klein und geht irgendwie unter, bis es dann nach einiger Zeit erledigt ist. Zu den persönlichen Höhepunkten gehört das, was Gerlinde angesprochen hat. Ich war ja auch Mitglied des Verfassungsausschusses, habe also die Verfassung mitgestaltet. Und eben diese Reden im Landtag, weil ich dort auch zum Teil außergewöhnliche Zustimmung gewonnen habe. Das sind dann Sachen, wo man sich wirklich richtig freuen kann und sagt: Das hat sich doch gelohnt, sich anzustrengen und sich ein bisschen Anerkennung zu erarbeiten. Insgesamt gehören wir beide zu denjenigen, die auf der Sonnenseite gewesen sind. Natürlich ist auf der Sonnenseite auch manchmal ein Schatten. Manchmal ist es vielleicht ein bisschen zu warm in der Sonne (beide lachen). Das mag alles sein, das ist alles nicht der Idealzustand – aber der Idealzustand wäre auch langweilig. Ihr habt beide bei dem sog. Magdeburger Modell mitgewirkt. Wie beurteilt ihr dieses Magdeburger Modell im Nachhinein? Gerlinde Kuppe: Nach der ersten Legislaturperiode, in der drei Ministerpräsidenten verschlissen worden sind und auch sehr viel Unruhe mit mehreren Fraktionsneubildungen zu bestehen war, haben wir mit der Rot-Grünen Minderheitsregierung von 1994-98 erst einmal Stabilität ins Land gebracht. Ich denke, dass diese Phase richtig und wichtig war. Wir haben in dieser Zeit auch eine ganze Menge Projekte und Initiativen angestoßen, die gut für Sachsen-Anhalt waren. Die zweite Minderheitsregierung, die wir ja dann allein verantwortet haben, war schwieriger. Also aus heutiger Sicht hätte man vermutlich eine echte Koalition bilden müssen. Aber das stand damals aus vielerlei Gründen nicht ernsthaft zur Debatte. Hier sind wir an unsere Grenzen gekommen, auch was die Arbeitsfähigkeit in unseren eigenen Reihen anbelangte. Der Abstimmungsbedarf war ungeheuer groß, es gab ja die verschiedensten Runden. Wir haben uns als Kabinett mindestens einmal im Monat noch außerhalb der Kabinettssitzungen getroffen und untereinander Abstimmungen herbeigeführt und Projekte beraten. Es war ein wirklich aufwendiges Arbeiten in diesen vier Jahren, was am Ende dann dazu geführt hat, dass diese viele Arbeit nicht honoriert wurde und so zu diesem desaströsen Ergebnis von 2002 geführt hat. Rüdiger Fikentscher: Dass unsere Meinungen hier nicht weit auseinander gehen, wird man wissen. Ich denke auch, die Entscheidung 1994 war richtig und wichtig – da lasse ich mich auch nicht davon abbringen. Es war mutig und wir haben das durchgehalten. Es kommt übrigens noch etwas dazu: Die Anfangszeit, als alle noch dachten, dass man so wie am Runden Tisch miteinander vernünftig redet – Argumente austauscht, etwa in Ausschüssen im Landtag – hat sehr viel Enttäuschung für unsere Leute gebracht, weil sich die CDU-Leute mit einer ziemlichen Arroganz versehen mit Regierungspapieren und Meinungen einfach über vieles hinweggesetzt haben. Da waren die meisten Leute unserer Fraktion wütend und enttäuscht darüber. Als sich dann eine Möglichkeit für die Minderheitskoalition abzeichnete, hat sich diese Grundstimmung damals in der Partei durchgesetzt. Das war richtig. Wir sind ja auch belohnt worden dafür. Das mit Abstand beste Wahlergebnis haben wir 1998 eingefahren, als wir mit zwei Ausnahmen alle Direktmandate geholt haben. Ich glaube in diesen vier Jahren haben wir auch was auf die Beine gestellt. Da hatte auch Reinhard Höppner ein hohes Ansehen, deutschlandweit; war geachtet. Wir haben dann 1998 einen schweren strategischen Fehler begangen. Wir waren so weit oben und die CDU war so weit unten. Das wäre der Zeitpunkt einer großen Koalition gewesen. Die CDU hätte alles mitgemacht, um überhaupt wieder mitregieren zu dürfen. Folglich hätten auch die Medien gegen uns nicht wieder so mobil machen können. Wir hätten viel mutiger und kraftvoller regieren können – aber wir haben in diesen vier Jahren nicht kraftvoll regiert. Diese unzähligen Runden, die die Regierungsmitglieder gemacht haben, haben im Grunde fast alle nichts gebracht. Unsere 3+3, 5+5-Runden – ich war ja da überall von Anfang an mit dabei – waren endloses Gerede und Gezerre. Am Ende hat die PDS nur eben nicht ihren Kopf dafür hingehalten, wenn wir irgendwas gemacht hatten, was nicht so gut war oder falsch eingeschätzt wurde. Also kurzum: Es war ein strategischer Fehler, den ich mir auch selber mit anrechnen muss – ich war immerhin Fraktions- und Landesvorsitzender. Wenn ich konsequent für die große Koalition eingetreten wäre, dann hätten wir es vielleicht machen können. Die Leute im Lande wollen regiert werden und sie wollen ordentlich regiert werden. Wer das macht ist für die meisten Leute die zweite Frage und das haben wir nicht gemacht. Dafür sind wir abgestraft worden. Rüdiger, war dann für Dich nach der verlorenen Wahl 2002 der Weg, den Du als Rückzug in Etappen beschrieben hast, klar? Rüdiger Fikentscher: Ja, auch das war für mich wiederum leichter, weil ich nicht viele, aber einige Monate vorher entschieden hatte, nicht wieder für den Landes- und Fraktionsvorsitz zu kandidieren. Die wichtigsten Leute in meinem unmittelbaren Umfeld wussten das. Mit diesen zwei Funktionen hatte ich also abgeschlossen. Nach so vielen Jahren – ich sprach ja von dieser Platzhalterfunktion – war das für mich klar. Sodass es mir am Wahlabend ganz leicht fiel zu sagen, ich werde nicht wieder für den Landes- und Fraktionsvorsitz kandidieren – weil ich das sowieso nicht getan hätte. Bitter war es an dem Abend trotzdem auf 20 Prozent abzustürzen. Dass ich aber ohnehin nicht weitermachen wollte hat jedoch meine Verantwortung bis zu diesem Zeitpunkt in keiner Weise geschmälert. Kurz danach, das ist mir auch klar, habe ich den größten persönlichen Wahlerfolg und Anerkennungserfolg bekommen. Gerlinde, weiß bestimmt auch noch, was das war. Da haben sie mich mit ganz großer Mehrheit in der Fraktion vorgeschlagen und ich bin dann zum Vizepräsidenten des Landtages gewählt worden. Wir waren aus der Regierung und aus allem raus. Es gab nur diese eine höhere, wichtigere Funktion und die haben sie mir zugeteilt bzw. mich dazu gewählt, obwohl ich natürlich letzten Endes für den ganzen Schlamassel mit zuständig war – das habe ich damals als unglaubliche Anerkennung empfunden. Gerlinde Kuppe: Ich glaube, das habe ich Dir noch nie erzählt: Damals haben mich einige aus der Fraktion gedrängt, ich solle gegen Dich kandidieren als Vizepräsidentin. Hab‘ ich aber abgelehnt (schmunzelt). Einige wollten, dass eine Frau für dieses Amt zur Verfügung steht. Aber Du warst unser ‚bester Mann‘. Rüdiger Fikentscher: Völlig verständlich, Du hättest die Sache sicherlich sehr gut gemacht. Euch verbindet ja auch eine Freundschaft über das Politische hinaus. Kann man das so sagen? Beide: Ja, kann man. Hat euch das auch geholfen in den letzten 20 Jahren? Gerlinde Kuppe: Ich fand es immer sehr hilfreich mit Rüdiger Themen, die nicht nur mit der Politik zusammenhängen, diskutieren zu können und einfach offen sein zu können, ohne Sorge zu haben, dass es am nächsten Tag in der Zeitung steht oder man einen Gesichtsverlust erleidet, wenn man irgendwas nicht weiß oder andere Ansichten hat oder was auch immer. Die Gespräche habe ich für mich als sehr bereichernd und auch als Möglichkeit, mich weiterzuentwickeln, verstanden. Rüdiger Fikentscher: Für mich war das auch immer ungeheuer wichtig. Weil wir sehr viele Gespräche geführt haben, bei denen völlig klar war, dass man sich darauf verlassen kann, dass man auf eine ehrliche Frage eine ehrliche Antwort bekommt. Dass, wenn man was geäußert hat, es nicht irgendwie weiter erzählt oder umgedeutet wird. Privat, persönlich, politisch – das ganze Leben mischt sich bei so einer Arbeit. Das war immer sehr hilfreich. Ich hatte ja nun mal wichtige Funktionen, übergreifende Funktionen, und da gibt’s ein Wort von Willy Brandt, der gesagt hat „Man muss immer wissen, wen man fragen muss.“. Man muss ein paar Leute haben, mit denen man was besprechen kann. Da ruft man dann eben an einem Sonntagabend oder sonst wann an. Da gab es bei mir höchstens fünf. Und Gerlinde gehörte über all die Jahre dazu. Es gibt da auch ein schönes Wort von Goethe, der sagte „Willst Du wissen, was sich wirklich ziemt, dann frage nur bei edlen Frauen danach.“. Da kommen eben auch ganz andere Erfahrungs- und Lebensbereiche mit hinein. Aus dieser Kombination ergibt sich fast immer irgendetwas Besseres als vorher. Nach der SDP-Gründung und den Umbruch-Jahren 1989/90 verließen auch einige Mitstreiter den gemeinsamen politischen Weg. Könnt ihr die Kritik „Da haben sich welche relativ schnell an das, was neu gekommen ist, angepasst“ nachvollziehen? Gerlinde Kuppe: Ich habe den Weg, den ich gegangen bin – angefangen beim Eintritt in die SDP, über den Aufbau der sozialdemokratischen Partei hier in Halle und später im Land Sachsen-Anhalt, als eine riesen Aufgabe und ein großes Glück empfunden – ohne zu wissen, wo das alles mal enden wird. Aber es war für mich eine dringende Aufgabe, mittun zu wollen. Da sind eben in vielen Bereichen, gerade was die Parteiarbeit anbelangt, Mehrheitsentscheidungen getroffen worden. So habe ich auch die politische Arbeit für mich verstanden, dass das für mich dann bindend ist. Um eine Entscheidung kann man ringen und da müssen auch die unterschiedlichsten Argumente auf den Tisch. Aber wenn es eine Mehrheitsentscheidung gibt, war und bin ich der Meinung, dass das dann verbindlich ist. Bis zu dem Zeitpunkt an dem neue, bessere Argumente auf den Tisch kommen, mit denen man sich auseinander setzt und dann durchaus eine Entscheidung auch revidiert werden kann. Insofern bin ich der Meinung, dass die Entscheidungen, die für die Parteiorganisation und für das politische Geschäft in Sachsen-Anhalt getroffen wurden, aus meiner Sicht richtig waren. Ich hadere auf keinen Fall damit, dass wir keine Konföderation 1990 zwischen Ostdeutschland und Westdeutschland gebildet haben oder dergleichen oder eine eigene Verfassung erarbeitet haben. Das waren alles wichtige und sinnvolle Überlegungen. Aber am Ende saß uns die Zeit im Nacken. Und es war ein historisches Fenster – da bin ich wirklich fest davon überzeugt –, das nur eine bestimmte Zeit lang offen stand. Ich stehe zu der Entscheidung, aber ich bedauere auch, dass einige von uns diese Entscheidung nicht nachvollziehen konnten und die SPD dann verlassen haben. Aber ich denke, dass der Weg richtig war. Rüdiger Fikentscher: Es mussten ja Entscheidungen getroffen werden. Wie heißt es so schön, „Leben heißt, sich entscheiden.“. Ich war darauf ja durch meine ärztliche Tätigkeit gut vorbereitet. Ich habe immer vor Augen gehabt, da ist ein Massenverkehrsunfall: Man sich natürlich daneben stellen und sagen, die Straße hätte sowieso gesperrt werden müssen und das mit dem Personenkraftverkehr muss alles anders sein und die Autos müssten anders gebaut werden. Das kann man natürlich alles machen aber eben nicht in dem Moment, wenn die Leute auf der Straße liegen und verletzt sind. Da muss ich was machen. Oder es kommt jemand in die Klinik am Sonntagnachmittag und ich bin der einzige, der entscheiden muss, wie verfahren wird. Ich muss Entscheidungen treffen und ich kann nicht solange reden, bis die Situation verspielt ist. So war das in der Zeit, von der Gerlinde sprach. Wer da nicht bereit war, sich zu entscheiden oder mit zu entscheiden, hat nicht Schritt gehalten mit der Zeit, mit den Verhältnissen. Ob einem das vielleicht nicht gegönnt worden ist: Das klingt vielleicht ein Bisschen arrogant, aber ich habe eigentlich immer nur für etwas kandidiert, wenn ich der Überzeugung war, dass es in diesem Moment für diese Aufgabe niemanden gibt, der das besser kann als ich. Daneben muss ich, wenn ich schon einer Partei angehöre, mich aus Überzeugung dazustelle, auch loyal sein. Es gibt dieses Wort ‚Strukturloyalität‘. Ich muss einer Struktur gegenüber loyal sein. Das bedeutet nicht automatisch jeder Person gegenüber, die in der Struktur ist. Aber zu dieser Struktur, die gut finde und von der ich überzeugt bin, zu der muss ich immer stehen. Das ist eine Faustregel oder Maßstab, der einem natürlich dann auch hilft zu sagen, was gemacht werden soll. Wenn eine Mehrheitsentscheidung getroffen worden ist, dann muss sie gelten. Das ist eben Wehners schöner Satz „Mehrheit ist Mehrheit.“. Damit hat sich‘s. Das kann ja falsch sein – wir wissen ja, dass die Mehrheit sich irren kann – aber irgendwas müssen wir ja machen und so sind wir wieder beim ersten Punkt. Aber ich muss mich entscheiden. Ich habt beide die ersten 20 Jahre dieses Landes mitgeprägt, an sehr maßgeblichen Positionen. Wie seht ihr die nächsten 20 Jahre unseres Bundeslandes? Gerlinde Kuppe: Optimistisch! Ich gebe diesem Land große Chancen. Ich denke zunächst, dass sich Sachsen-Anhalt in den nächsten Jahren etwas selbstbewusster entwickeln wird, als das bisher der Fall war. Viele Menschen hatten die ersten Jahre doch Schwierigkeiten, in unserem Bindestrich-Land ein Gefühl zu entwickeln, dieses Land als Heimat zu sehen, sich hier zu engagieren, es gern zu haben, hier gern zu leben. Ich glaube das hat inzwischen zugenommen und das wird sich in den nächsten Jahren auch noch verstetigen. Was die Frage der Eigenständigkeit oder der Fusion des Landes Sachsen-Anhalt mit den Freistaaten Sachsen und Thüringen betrifft: Das wird insgesamt von der deutschen und europäischen Entwicklung abhängen. Ich bin der Meinung, dass auf Dauer die Kleinstaaterei in Deutschland so nicht Bestand haben wird. Aber nachdem die Diskussion der Länder Berlin und Brandenburg erstmals gescheitert war, ist in dieser Frage eine ziemliche Blockade entstanden. Die muss man auch ernst nehmen, weil die Identität einer Region schon ein wichtiger Punkt ist. Ich halte es im Moment noch für wichtiger, dass die Identität mit dem Land Sachsen-Anhalt und die Freude hier leben zu können wächst, als auf Teufel komm raus Fusionsgedanken für ein Land Mitteldeutschland nach vorn zu treiben. Aber ich habe große Sympathien für ein Land Mitteldeutschland. Ich glaube aber, dass es so schnell nicht kommen wird. Aber dass es im Vorfeld zur relativ weitgehenden Kooperation von Behörden, Institutionen und Kultureinrichtungen mit Thüringen und Sachsen, vielleicht auch mit Niedersachsen und Brandenburg kommen wird – das kann sich ja durchaus in unterschiedlichen Intensitäten und Strukturen ergeben. Wenn die Zeit reif ist, kann eine solche Arbeitsteilung zwischen den Ländern sicher auch in der Länderfusion enden. Rüdiger Fikentscher: Also ich bin ja nun wirklich ein überzeugter Föderalist und glaube – ich werd‘s ja sowieso nicht mehr erleben –, dass diese schönen Länder Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt in einem technokratischen Gebilde namens Mitteldeutschland untergehen würden. Eine Zusammenarbeit wird man sicherlich in vielen Bereichen aus Kostengründen zustande bringen. Das muss aber nicht nur Richtung Sachsen und Thüringen sein, sondern kann auch in bestimmten Gründen mit anderen Ländern sein. Die Argumente, dass die Länder allein zu klein sind, zählen für mich überhaupt nicht. In den USA gibt’s viel kleinere Länder und viel größere Länder – da redet keiner über Zusammenlegung und die haben 50 Staaten, also ganz andere Größenordnungen. Das funktioniert alles wunderbar. Außerdem wäre der Zusammenhalt in Deutschland nicht mehr so ausgeprägt, wenn wir einen großen Nord- und einen großen Südstaat hätten. Aber ich muss mir keine Gedanken machen – es kommt sowieso nicht. Ich glaube aber, das Sachsen-Anhalt durch das stark ausgeprägte Regionalbewusstsein, was es in verschiedenen Gegenden gibt, darüber hinaus noch ein Landesbewusstsein entwickeln wird, weil wir einen guten Weg nehmen. Sachsen-Anhalt kann ein stabiles, selbstständiges Land sein. Da gibt es viele Gründe: Wir liegen mitten in Deutschland, mitten in Europa. Die Voraussetzungen, eine kulturelle und wirtschaftliche Identität zu finden, sind hervorragend. Ich glaube, dass das Land gute Aussichten hat. Wenn man in anderen Ländern Deutschlands mal die Lokalpresse liest, die wir sonst nie geboten bekommen, dann merkt man, dass es überall Ärger gibt. Zu meinen, die Leute seien hier besonders unzufrieden und hätten besonders viele Probleme, ist ein Trugschluss. In Wirklichkeit gibt’s woanders die Probleme auch. Rüdiger hat sich ja bereits als Autor hervor getan. Kann man in Zukunft weiteres erwarten, vielleicht auch gemeinsames? Gerlinde Kuppe: Also ich beabsichtige kein Buch zu schreiben und gemeinsam haben wir derartige Pläne auch nicht entwickelt. Rüdiger Fikentscher: Nein, ich glaube da wären wir auch viel zu verschieden. Ich möchte jetzt nicht bei Gerlinde Korrektur lesen müssen oder sie bei mir (beide lachen). Ich habe unglaublich viel Material. Und daraus mache ich bestimmt noch mal irgendwas. Ob es nun ein größeres Buch wird oder was anderes – das weiß ich jetzt im Moment noch nicht. Es gibt eben diese Stufen: erst muss man sammeln, dann muss man ordnen, dann muss man eine Idee haben, wie man das macht – wie bei jeder wissenschaftlichen Arbeit. Nun ist es ja aber auch so, dass man ein Buch schreiben möchte, was andere auch lesen und woran andere Spaß haben. Dazu braucht man wieder einen Verleger, der muss auch zu der Einschätzung kommen. Das geht nicht so beiläufig, weil wir ja alle keinen deutschlandweiten Namen bekommen haben – wer kennt uns schon. Wenn ein Peer Steinbrück oder ein Gerhard Schröder ein Buch schreibt, dann ist es schon vergriffen, bevor die erste Auflage erschienen ist. Das ist ja bei unserer kleinen, bescheidenen Situation in unserem kleinen Ländchen ja alles ganz anders. Gerlinde Kuppe: Also ich will eher meine verschiedenen Unterlagen dazu nutzen, wenn einmal innerhalb der SPD die Frage auftaucht, was habt wir denn da eigentlich gemacht haben und was ist da bewegt worden ist. Damit ich da auch Antwort geben kann, woran war ich beteiligt war, wie die Entscheidung zustande gekommen ist, was es mit dem Programm auf sich hat. Sodass ich da also auch ein Bisschen zur SPD-Geschichte oder zur Geschichte der letzten 20 Jahre in Sachsen-Anhalt etwas beitragen kann. Rüdiger Fikentscher: ...da komme ich auf Dich zu (beide lachen).

 
 

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