„Es hat was mit Respekt zu tun“

Veröffentlicht am 05.10.2012 in Veranstaltungen

Von Tobias Nehren, Netzpolitischer Referent beim SPD-Bundesvorstand. | 30 Gäste aus sieben Nationen und drei Kontinenten. Zum SPD Bürger-Dialog in Halle an der Saale hatte Karamba Diaby am Mittwoch die stellvertretende SPD-Parteivorsitzende Aydan Özoguz geladen. Schlagworte, die an diesem Abend immer wieder fallen: Chancengleichheit, Teilhabe und Bildung.

Nein, sag erst bitte deinen Namen, damit wir uns alle gegenseitig kennenlernen können“, unterbricht Karamba Diaby einen Mann, der aus der Mongolei stammt, ehe dieser fortfahren und seinen Wunsch äußern kann, dass wir in Deutschland die bürokratischen Hürden für Ausländer senken müssten. Es sind ungefähr 30 Menschen da, die ihm konzentriert zuhören.

Karamba Diaby, im Senegal geboren, ist promovierter Chemiker und lebt seit 1986 in Halle an der Saale. Nächstes Jahr möchte er für die SPD in den Bundestag. Mit der stellvertretenden Parteivorsitzenden Aydan Özoguz hat er sich heute prominente Verstärkung geholt. An mangelnder Bekanntheit wird seine Kandidatur aber eh nicht scheitern. „Mit Karamba kannst du nicht einfach so durch die Stadt gehen, denn alle 20 Meter schüttelt ihm jemand die Hand und Karamba bleibt auf ein paar Worte stehen“, sagt einer der anwesenden Gäste. Diaby ist mutig und ermutigt die Menschen.  2011 forderte er als damaliger Vorsitzender des Bundeszuwanderungs- und Integrationsrates, dass man rechtradikale Äußerungen stärker ahnden müsse. Daraufhin erhielt Diaby Morddrohungen. „Ich werden mich nicht verstecken“, erwiderte Diaby damals. Sich nicht zu verstecken, dazu ruft er auch heute auf.

„Wir müssen offener werden“

Diaby ist Gastgeber an diesem Abend und die Menschen, die er eingeladen hat, fühlen sich willkommen. Neben dem Mann mit mongolischem Migrationshintergrund sind Frauen und Männer gekommen, deren Wurzeln über den Globus verstreut liegen: Kolumbien, Armenien, Senegal, Nigeria, Türkei, Vietnam und natürlich Deutschland. 

Diaby und Özoguz predigen nicht von der Kanzel herab, sie sammeln im Rahmen des SPD Bürger-Dialoges Fragen und Meinungen sowie Verbesserungsvorschläge ein. Und zwar Verbesserungsvorschläge für das Land in dem alle, die an diesem Abend da sind, leben. Aydan Özoguz hört zu und bezieht Stellung: Beim Thema Fachkräftemangel fordert ein Bürger aus Halle, dass wir den wirtschaftliche schwächeren Ländern nicht durch das Abwerben von Fachkräften die Arbeitskräfte entziehen dürften. Özoguz entgegnet, dass es gar nicht das Ziel sei, andere Länder zu schwächen. „Aber wir müssen offener werden: für die, dich sich bewegen wollen, die, die woanders arbeiten möchten und für die, die hierher kommen wollen.“

Vorbild: Kung-Fu-Großmeister Chu-Tan-Cuong

Die Schlagworte, die an diesem Abend immer wieder fallen, sind: Chancen geben, Teilhabe und Bildung. Davon erzählt auch David, der Sohn des Kung-Fu-Großmeisters Chu-Tan-Cuong. Sein Vater setze sich in Halle seit Jahrzehnten mit großem Erfolg dafür ein, jungen Menschen Chancen zu geben, die von anderen schon längst abgeschrieben worden seien. „Das hat immer auch etwas mit Respekt zu tun - vor sich und vor anderen.“ sagt David. 

Respektvoll ist der Umgang an diesem Abend in jedem Fall. Karamba Diaby lockt mit seinem Engagement Menschen an, die sonst vielleicht zu Hause bleiben. Hier erzählen sie davon, was sie sich wünschen und was sie in ihrem Alltag stört. Diaby macht Menschen Mut sich einzubringen. Für einen Anfang braucht es immer einen Mutigen, der den ersten Schritt macht. Diaby ist so ein Mutiger.

 
 

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