Fällt im Thalia Theater nun der letzte Vorhang?

Veröffentlicht am 08.03.2011 in Kultur

Vielleicht ist es für einen Nachruf ja noch zu früh - doch die Schließung des Thalia Theaters in Halle, des einzigen Kinder- und Jugendtheaters in Sachsen-Anhalt, scheint besiegelt. Seit Oktober 2010 beschäftigt das Thema nun schon die Stadt. Allein eine Lösung wollte oder sollte nicht gefunden werden. Seit im Oktober 2010 öffentlich diskutiert wurde, was den Verantwortlichen schon lange vorher klar gewesen sein muss, nämlich dass der halleschen Theater, Oper und Orchester GmbH ('Kultur GmbH') das Geld ausgeht, wurde die Schließung des Thalia Theaters als einzig möglicher Ausweg präsentiert - wenn die MitarbeiterInnen der GmbH sich nicht solidarisch zeigen und Haustarifverträgen zustimmen. Die Verhandlungen über die Haustarifverträge zogen sich bis in den März hinein, zwischendurch wurde ab und an ein kurz bevorstehender Abschluss zusammen mit der Rettung der Kinder- und Jugendtheatersparte verkündet. Nun scheint alles umsonst gewesen.

Ja, wertvolle Zeit ging verloren, um nach anderen Möglichkeiten der Rettung zu suchen. Und die scheint es durchaus zu geben: Das Thalia Theater präsentierte selbst ein Konzept für ein unabhängiges Weiterbestehen. In den Diskussionen wurde zudem immer wieder angezweifelt, dass es tatsächlich keine hausinterne Alternative zur Thalia-Schließung gebe. Verwiesen wurde dabei auf zu viele Ausgaben in der Oper, die offenbar finanzierbare Fassadensanierung der Oper, die Aufführung des Wagner'schen Rings, die unflexible Verwaltung. Solche und weitere Argumente wurden allerdings mit dem Hinweis, man dürfe die Häuser nicht gegeneinander ausspielen, abgebügelt. Zu einfach hat man es sich damit wohl gemacht. Nun entsteht der Eindruck, man handele nach dem Motto "Der Schwächste fliegt". Der hallesche Stadtrat hat sich selbst mit der Gründung der GmbH wesentliche Mitbestimmungsrechte genommen. Doch anstatt bestehende Einflussmöglichkeiten bzw. eine Wiedererlangung dieser auszuloten, haben sich die meisten Stadträte wohl schon mit der Schließung abgefunden. Das mag formaljuristisch sogar in Ordnung sein, die politische Wirkung ist allerdings ernüchternd. Gerade auf der Ebene, auf der Politik am nächsten an den Menschen dran ist und politische Entscheidungen unmittelbare und offensichtliche Wirkungen entfalten, scheint die Politik machtlos geworden zu sein. Eine unrühmliche Rolle spielt auch das Land. Es ist kein Geheimnis, dass die Finanzsorgen der Stadt Halle zu einem Großteil auf das Finanzgebaren des Landes Sachsen-Anhalt zurückzuführen ist. Seit der Wiedervereinigung ist es nicht gelungen, die Zentren im Land finanziell derart auszustatten, dass sie ihre Aufgaben erfüllen können. Da wirkt das öffentliche Bedauern der derzeitigen Kultusministerin über die Schließung des Theaters wie Spott. Alles in allem also ein Versagen mehrerer politischer Ebenen. Natürlich leben wir nicht im Schlaraffenland, das Geld ist knapp. Dass dann aber gerade eine der kosteneffizientesten und flexibelsten Einrichtungen geschlossen wird, mag sich einem nicht erschließen. Letztendlich scheint die Lobby des Thalias nicht groß genug gewesen zu sein. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Felix Peter

 
 

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