Hände weg vom Atomausstieg - Ganz Deutschland protestiert gegen die Pläne der schwarz-gelben Bundesregierung

Veröffentlicht am 24.06.2010 in Bundespolitik

Zwei Tage bevor sich der Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe zum 24. mal jährte, gingen etwa 146.000 Menschen auf die Straße, um gegen die geplante Verlängerung der Laufzeiten von jetzt bereits schrottreifen Atommeilern zu demonstrieren. Mit solch einer hohen Teilnehmerzahl hatten wohl nicht einmal die Optimisten unter den Organisatoren und Veranstaltern gerechnet. Alleine 120.000 Demonstranten standen am Aktionstag pünktlich 14:30 Uhr auf den ihnen zugewiesenen Plätzen zwischen den AKWs Brunsbüttel und Krümmel.

Genauso zusammengewürfelt wie die vielen verschiedenen Demonstranten, war die Besetzung des von der SPD organisierten Busses, der zum besagten Aktionstag von Halle über Magdeburg nach Escheburg gestartet war. Mit an Bord waren Jusos aus Halle und Schulpforte, Genossen aus Merseburg und Magdeburg sowie Mitglieder von Gewerkschaften. Eingedeckt mit Bannern, selbst entworfenen Plakaten, Transparenten und starker Entschlossenheit gegen die Laufzeitverlängerungspläne der Bundesregierung vorzugehen, startete der Bus. Unterwegs waren an den Raststätten immer wieder Mitstreiter auf dem Weg nach Norden zu sehen. Unser Bus kam pünktlich am vereinbarten Treffpunkt an und wir waren erstaunt, wie viele Menschen tatsächlich erschienen waren. Es war beeindruckend. Sofort kam ein Gemeinschaftsgefühl auf, das man nicht alle Tage verspürt. Alle Demonstranten hatten die gleiche Einstellung zur Atompolitik von CDU/FDP, was am besten an den Plakaten zu erkennen war. Man sah überall Sprüche wie „Kinder sollen lachen – nicht strahlen“, „Kernkraft der Sonne nutzen!“ und natürlich das altbewährte und immer wieder gern verwendete „Atomkraft. Nein Danke!“. Insgesamt waren über 230 Busse und drei Sonderzüge aus dem gesamten Bundesgebiet unterwegs, um die Anti-Atom-Kette zu ermöglichen. Doch nicht nur im Norden des Landes wurde gegen die klientelpolitisch behafteten Pläne von CDU/FDP protestiert. Auch am Atommüllzwischenlager in Ahaus in Nordrhein-Westfalen gingen 6.000 Menschen auf die Straße. Und damit nicht genug: 20.000 Personen umzingelten das AKW Biblis im Süden von Hessen mit einer weiteren Menschenkette – und zeigten damit anschaulich und ausdrücklich, dass niemand den Ausstieg vom Ausstieg möchte. Wir alle haben den Plänen zur Laufzeitverlängerung der AKWs und den lügendurchsetzten Begründungen der derzeitigen Bundesregierung den Kampf angesagt und gezeigt, dass niemand, der sich wirklich mit dem Thema beschäftigt hat, den Argumenten, die für eine Verlängerung der Laufzeiten sprechen, Glauben schenkt. Denn substanzlosen Thesen, wie „AKWs wären gut für den Klimaschutz, denn Kernkraftwerke sind CO2-frei“ kann man mühelos widersprechen oder als Halbwahrheit entlarven. Hier ersetzt man gedankenlos ein Risiko durch ein anderes. Fakt ist tatsächlich, dass die Erzeugung von Atomstrom kaum CO2 freisetzt, aber es muss erwähnt werden, dass allein der Uranabbau und die Herstellung der benötigten Brennstäbe sehr viel Energie erfordert, und dass dies nicht CO2-frei zu haben ist. Als gleichermaßen absurd kann man den Standpunkt „Atomkraft ist sauber“ bezeichnen – wohl eine der unverfrorensten Lügen überhaupt. Man bedenke nur die Endlagerung für den Millionen Jahre strahlenden Atommüll und die Tatsache, dass man für Atomstrom Uran braucht und der Abbau von Uran ist ein äußerst dreckiges Geschäft. Rund 70% der bekannten Uranvorkommen liegen auf den Gebieten indigener Völker, die meist nichts über die Folgeschäden für die Umwelt und sogar für sich selbst wissen, z. B. über den Abbau. Dabei wird Erz mit Chemikalien versetzt, welche im Untergrund das Metall lösen und mit diesem wieder an die Oberfläche gepumpt werden (Urangehalt des Erzes: 0,1% bis 1%). Der Abbau führt zu einer massiven Erhöhung radioaktiver Emissionen – radioaktive Elemente sowie ihre Zerfallsprodukte treten in die Biosphäre ein, wo sie Boden, Wasser und Luft verseuchen. Das bekannteste Beispiel für Deutschland war die Ronneburger Halde bei Gera, die inzwischen abgetragen wurde. Ebenfalls nicht auszuschließen sind radioaktive Verseuchungen durch Atomunfälle – und sie sind bereits geschehen, nehmen wir nur einmal die Atomunfälle in Tschernobyl. Ein weiteres Alarmzeichen setzten Untersuchungen, welche ergeben haben, dass Kinder, die in der Nähe von Atomkraftwerken aufwachsen, häufiger an Krebs erkranken als andere Gleichaltrige. Laut CDU/CSU und FDP sollen nur „sichere“ Atomkraftwerke weiterlaufen. Ob Atomkraftwerke als „sicher“ gelten oder nicht, ist allerdings nur eine Frage der Kriterien. Tatsächlich zeigt sich, dass, schon bei minimalsten Anforderungen der Großteil der 17 Reaktoren in Deutschland sofort vom Netz gehen müsste. Den Stand von Wissenschaft und Technik, den das Atomgesetz fordert, erfüllt in der Tat kein einziges Atomkraftwerk und kein einziges bekäme deswegen heute nochmals eine Genehmigung. Auf diese Art „Brückentechnologie“ kann verzichtet werden. Nichts, was CDU/CSU und FDP als Gründe anbringen, um ihre Entscheidung zu untermauern, rechtfertigt die Umwelt- und Gesundheitsschäden, die gefährlichen Transporte der hochgiftigen, strahlenden, waffenfähigen Materialien und die erhöhte Krebsrate um Atomanlagen herum. Gleichermaßen bedenklich ist die damit verbundene Blockade der zukunftsfähigen, nachhaltigen und umweltfreundlichen Energieversorgung. Auch die Stadtwerke in Halle werden die Folgen einer Verlängerung zu spüren bekommen. Durch massive staatliche und politische Subventionen, Steuergeschenke sowie jahrzehntelange Monopolstellung der Stromkonzerne kam es zur Marktverzerrung und die Atomenergie konnte ihre heutige privilegierte Position einnehmen. Den Stadtwerken und unabhängigen Versorgern drohen Wettbewerbsnachteile auf dem Energiemarkt. So werden nicht nur Investitionen von Stadtwerken oder neuen Energieanbietern in moderne und flexible Energietechniken, sondern auch der Ausbau der Erneuerbaren Energien in den Bereichen Forschung und Netzinfrastruktur blockiert. von Sandra Loley, Jusos Halle (Saale)

 
 

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