Jusos kritisieren Schulstrukturkompromiss

Veröffentlicht am 29.04.2010 in Schule und Bildung

Rückschlag im Kampf gegen Chancenungleichheit im Bildungssystem Die Jusos Sachsen-Anhalt begrüßen, dass der Bildungskonvent zum Thema „Schulstruktur“ einen Kompromiss gefunden hat. „Besonders erfreulich sind die Empfehlungen zur Aufwertung der Sekundarschule sowie zur Abschaffung des Hauptschulbildungsganges. Dennoch ist der Kompromiss kein Erfolg!“, so Juso-Landesvorsitzender Andrej Stephan.

„Wer in einem Papier PISA und die OECD zitiert, muss doch auf dem Schirm haben, dass das deutsche Schulwesen stark nach sozialer Herkunft auswählt. Die beste Möglichkeit, dies zu verhindern, ist ein für alle verbindliches längeres gemeinsames Lernen, wie es unter anderem die OECD empfiehlt. Eine Verbesserung der Durchlässigkeit zwischen Gymnasium und Sekundarschule kommt hingegen erst zur Anwendung, wenn die Selektion schon geschehen ist. Dass die CDU in punkto Bildung verstockt und uneinsichtig ist, bremst die Arbeit des Konvents schon länger“, so Andrej Stephan weiter.

Ein auf Freiwilligkeit basierendes längeres gemeinsames Lernen, wie es der Beschluss des Bildungskonvents intendiert, lehnen die Jusos Sachsen-Anhalt ab. „Der Beschluss ist so schwammig formuliert, dass keine Seite in der Diskussion um die Abschaffung des unsozialen dreigliedrigen Schulsystems ihr Gesicht verliert. Er ändert aber am Status quo in der Diskussion überhaupt nichts. Grundlegende Missstände im System werden damit nicht geändert, es werden nur neue Probleme geschaffen“, so Patrick Wanzek, Koordinator des Juso-Landesarbeitskreises Bildung und Soziales.

Die Jusos Sachsen-Anhalt hatten auf ihrer letzten Landesdelegiertenkonferenz im Herbst 2009 einen umfangreichen Empfehlungskatalog zur Verbesserung des Bildungswesens in Sachsen-Anhalt beschlossen (zum Beschlussbuch 2009, siehe Seite 3). Darin fordern sie unter anderem ein gemeinsames Lernen bis mindestens zur 7. Klassenstufe, die Abschaffung des Hauptschulbildungsganges und des Förderschulwesens, die flächendeckende Einführung der Ganztagsschule sowie die Optimierung demokratischer Strukturen an den Schulen. Am 26. April hatte der Bildungskonvent weit reichende Beschlüsse zur Schulstruktur und zur inneren Schulreform gefasst, die von den meisten etablierten Parteien in Sachsen-Anhalt mitgetragen werden. So erklärte zum Beispiel Katrin Budde, Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion: „Nach einem langen Diskussionsprozess hat sich der Bildungskonvent auf einen vertretbaren Kompromiss zur künftigen Schulstruktur verständigt. Demnach wird empfohlen, das Schulsystem für das längere gemeinsame Lernen weiter zu öffnen. Es wird nun darauf ankommen, diese Erweiterung mit Leben zu erfüllen.“ Die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Rita Mittendorf, betonte darüber hinaus: „Ich bin sehr erfreut, dass sich der Bildungskonvent dafür ausgesprochen hat, künftig auf den hauptschulabschlussbezogenen Unterricht zu verzichten. Wir haben immer gesagt, dass strukturelle Veränderungen im Schulsystem mit einer inneren Schulreform einhergehen müssen. Die heute im Bildungskonvent verabschiedeten Beschlüsse für eine höhere Selbständigkeit von Schulen und für mehr Mitbestimmung bei besonders wichtigen schulischen Entscheidungen können dazu beitragen, die Qualität schulischer Arbeit maßgeblich zu verbessern.“ Ob und wie sich der Kompromiss in Zukunft auf das Bildungssystem in Sachsen-Anhalt tatsächlich auswirken wird, bleibt abzuwarten.

 
 

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